Cappella S. Antonio: Unterschied zwischen den Versionen
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Obschon von bescheidenen Dimensionen kann die Kapelle als eines der harmonischsten und kostbarsten Zeugnisse des Barock in unseren Breitengraden betrachtet werden. | Obschon von bescheidenen Dimensionen kann die Kapelle als eines der harmonischsten und kostbarsten Zeugnisse des Barock in unseren Breitengraden betrachtet werden. | ||
Der Zugang zur Kapelle führt in eine offene Vorhalle. Die Seiten des Eingangs zieren zwei Wandbilder von N. Giuliani, das noch ganz erhaltene Bild links die Verkündigung Mariens darstellend. Der flachen Decke entlang findet sich ein gemalter Rahmenfries. | Der Zugang zur Kapelle führt in eine offene Vorhalle. Die Seiten des Eingangs zieren zwei Wandbilder von N. Giuliani, das noch ganz erhaltene Bild links die Verkündigung Mariens darstellend. Der flachen Decke entlang findet sich ein gemalter Rahmenfries. | ||
| − | Das Innere des Schiffs ist mit einer einfachen Holzdecke abgeschlossen und zeigt zierlose Wände. Reich ausgestattet mit Stuck von hervorragender Qualität sind der Chorbogen und das Kreuzgewölbe. Es handelt sich um einen frühbarocken künstlerisch sehr wertvollen Antragsstuck, die Arbeit eines Misoxer Meisters, | + | Das Innere des Schiffs ist mit einer einfachen Holzdecke abgeschlossen und zeigt zierlose Wände. Reich ausgestattet mit Stuck von hervorragender Qualität sind der Chorbogen und das Kreuzgewölbe. Es handelt sich um einen frühbarocken künstlerisch sehr wertvollen Antragsstuck, die Arbeit eines Misoxer Meisters. Obwohl es keine schriftlichen Dokumente gibt, kann als gesichert angesehen werden, dass die Kapelle mit den gleichen Putti ausgestattet und deren Gesichter mit der gleichen negativen Form ausgeführt wurden, wie diese der Pfarrkirche von Rossa, wo die Stucks dokumentiert und Pietro Giuliani zugeschrieben sind. |
| + | Der herrliche Stuckaltar mit grau gefasstem Architrav und den in Stucco Lustro gefassten schwarzen Säulen beinhaltet als Ausstattung eine qualitätvolle Holzstatue des Heiligen Antonius. Das Antipendium aus Holz ist mit einer wundervollen Malerei aus der Übergangszeit Spätrenaissance zum Frühbarock verziert. | ||
Die ursprünglich fünf nie übermalten Deckenbilder in Freskotechnik (zwei nur noch in fragmentarischem Zustand, eines fehlt ganz) stammen von Nicolao Giuliani aus Roveredo (um 1670 ). | Die ursprünglich fünf nie übermalten Deckenbilder in Freskotechnik (zwei nur noch in fragmentarischem Zustand, eines fehlt ganz) stammen von Nicolao Giuliani aus Roveredo (um 1670 ). | ||
Aktuelle Version vom 4. Juni 2025, 23:13 Uhr
In der Siedlung Lasciallo oberhalb Cauco befindet sich ein barockes Juwel aus der Glanzzeit der Misoxer und Calanciner Baumeister, die Cappella San Antonio da Padova (https://s.geo.admin.ch/924b3ad0d9):
Gemäss Notizen im Gemeindearchiv von Cauco erbaut 1605 und mit Glocken von 1620 datiert, ist die Kapelle mit einem qualitativ sehr wertvollen Antragsstuck aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausgestattet:
Kleiner filmischer Einblick in die Kapelle: https://www.markne.ch/unterricht/magistri-moesani/lasciallo.mp4
Obschon von bescheidenen Dimensionen kann die Kapelle als eines der harmonischsten und kostbarsten Zeugnisse des Barock in unseren Breitengraden betrachtet werden. Der Zugang zur Kapelle führt in eine offene Vorhalle. Die Seiten des Eingangs zieren zwei Wandbilder von N. Giuliani, das noch ganz erhaltene Bild links die Verkündigung Mariens darstellend. Der flachen Decke entlang findet sich ein gemalter Rahmenfries. Das Innere des Schiffs ist mit einer einfachen Holzdecke abgeschlossen und zeigt zierlose Wände. Reich ausgestattet mit Stuck von hervorragender Qualität sind der Chorbogen und das Kreuzgewölbe. Es handelt sich um einen frühbarocken künstlerisch sehr wertvollen Antragsstuck, die Arbeit eines Misoxer Meisters. Obwohl es keine schriftlichen Dokumente gibt, kann als gesichert angesehen werden, dass die Kapelle mit den gleichen Putti ausgestattet und deren Gesichter mit der gleichen negativen Form ausgeführt wurden, wie diese der Pfarrkirche von Rossa, wo die Stucks dokumentiert und Pietro Giuliani zugeschrieben sind. Der herrliche Stuckaltar mit grau gefasstem Architrav und den in Stucco Lustro gefassten schwarzen Säulen beinhaltet als Ausstattung eine qualitätvolle Holzstatue des Heiligen Antonius. Das Antipendium aus Holz ist mit einer wundervollen Malerei aus der Übergangszeit Spätrenaissance zum Frühbarock verziert. Die ursprünglich fünf nie übermalten Deckenbilder in Freskotechnik (zwei nur noch in fragmentarischem Zustand, eines fehlt ganz) stammen von Nicolao Giuliani aus Roveredo (um 1670 ).
Zur Ausstattung der Kapelle gehören ferner ein Leinwandbild des 18. Jhs. (Schmerzensmaria) und zwei sehr volkstümliche Leuchterengel (17. Jh.). Noch beim Weggehen beeindruckt die Harmonie dieses kunstgeschichtlichen Kleinods, zur inneren Harmonie gesellt sich die einzigartige Einordnung in die Bergwelt des Calanca-Tales.
(Text: H. Urech, nach Unterlagen von Prof. O. Emmenegger sowie den beiden Restauratoren L. Knöchel und M. Somaini.)

